Webdesign: Email-Link versus Formmailer

Als Sitebetreiber steht man vor der Frage, ob sich der Betrieb eines Formmailers lohnt, ob ein Email-Link ausreichend ist oder überhaupt wünschbar. Diese Seite möchte die Vor- und Nachteile sichten. Wenig überraschend jedoch kommt das KISS-Design zu einer eindeutigen Antwort.

keep it simple stupid

Die Rolle des Mediums

Wir können nicht verleugnen, dass Medien verschiedene Erfahrungen und Erwartungen anhaften. Ein Webformular ist etwas sehr automatisiertes. Es vermittelt nicht unbedingt das Gefühl, in seinem Anliegen menschlich wahrgenommen zu werden. Im Webformular ist der Kontaktsuchende Gast in allen Anforderungen und Möglichkeiten. Er erscheint mehr in der Rolle eines Datenlieferanten denn als Gesprächspartner.

Auf der anderen Seite steht die Email bzw. deren Client dem Anwender als vertrautes Mittel zur Verfügung. Der Email haftet unmittelbar etwas persönliches und individuelles an. Es ist der Autor der Email, der über Form und Bearbeitungszeit bestimmt und sogar Daten anhängen kann. Doch diese Form des Inhalts verweigert sich einer automatisierten Auswertung und verlangt nach menschlicher Behandlung.

Die Verfügbarkeit

Verfügbarkeit ist das wichtigste oder eigentlich das einzige Argument gegen Email. In der Tat dürfen wir nicht davon ausgehen, dass Email immer oder im aktuell Kontext verfügbar ist.
Nicht in jedem Kontext ist der Browser in der Lage, den Email-Client oder Webmail zu öffnen. Mailto-Links kann man aber so konfigurieren, dass sie das eigene Webmail statt Mailprogramm aufrufen. Aber nicht alle nehmen diese Konfiguration vor.
Nicht zuletzt gilt, dass etliche Menschen nur über eine Familienbox und nicht über eine echte private Mailbox verfügen.

Es gibt also in der Tat eine Hürde, die manchmal relevant ist. Aber das Argument ist in Wirklichkeit alles andere als überzeugend. Denn erstens kann ein User immer später auf das Gerät wechseln, in dem er den Standard-Client verfügbar hat, oder es stehen andere Kommunikationsmöglichkeiten offen (Schneckenpost).

Dem gegenüber verspricht der Formmailer die sofortige Verfügbarkeit. Er verspricht diese aber nur, wobei dann alle Arten der Gängelungen folgen können, die ein Formmail-Betreiber sich nur ausdenken kann.
So wichtige Dinge wie eine Sendebestätigung werden im Gegenzug aus reiner Schlampigkeit vergessen.

Nur weil etwas auf den ersten Blick verfügbar ist, heisst noch lange nicht, dass es auch benutzbar ist. Und an dieser Stelle folgen dann alle Argumente gegen Formmailer.

Vergleichende Übersicht

Kriterium Email Formmailer
Verfügbarkeit Sehr weit verbreitet, jedoch nicht allzeit verfügbar Unmittelbar verfügbar, doch es drohen optionale Beschränkungen
Comfort Unschlagbar gut Schlecht bis sehr schlecht
Sendebestätigung Immer (und bei IMAP Client-unabhängig) vorhanden Wenn vorhanden, problematisch zu speichern.
Erforderliche Angaben Mailadresse, Subject und Text Im Ermessen des Formmail-Betreibers.
Von Anonym bis Datenkrake alles möglich
Enwürfe Vorhanden Nicht vorgesehen
Anhänge immer möglich selten vorgesehen.
Zuverlässigkeit Designfehler selten vorhanden Designfehler sind zu erwarten

Ausser im ersten Punkt erscheint die Email Variante als Sieger oder ebenbürtig. Das heisst nun nicht, dass man auf Formmailer verzichten soll. Es heisst, dass die Email-Version auf jeden Fall vor der Formmailer-Version zu promoten ist.

Für den privaten Website-Betreiber heisst es aber, dass er ohne Angst auf den Formmailer verzichten kann. Falls man einen Formmailer betreiben will, sollte man folgendes sicherstellen:

Fazit

Sie brauchen kein schlechtes Gewissen haben, falls Sie keinen Formmailer betreiben. Sie ersparen damit Ihren Usern Gängelung, Frustration und Stress.
Sie selber ersparen sich zwei/drei zusätzliche Baustellen (Formular, Serverlogik, Datenschutz) und haben damit weniger Sorgen.

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